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Neuer Klimabericht der UN: „Alarmstufe Rot für den Planeten“

UN-Generalsekretär Guterres schlägt Alarm. Die Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens bleiben bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Auch neue Klimaziele hätten längst eingereicht werden müssen – viele Länder haben dies bislang versäumt. Wichtige vereinbarte Ziele geraten in Gefahr.

„Alarmstufe Rot“

Bis zum 31. Dezember 2020 hätten alle Staaten des Pariser Abkommens ihre Klimapläne an die UN weiterleiten müssen. Diese Frist haben zahlreiche Länder tatenlos verstreichen lassen, andere präsentieren stark abgewandelte Klimapläne, die im Kern bedeuten, dass die Länder nur zu Teilen das tun wollen, was sie bereits Jahre zuvor zugesagt haben. Einige planen sogar noch weniger, wie der neue Klimabericht, der NDC Synthesis Report, der Vereinten Nationen offenlegt. UN-Generalsekretär António Guterres warnt: „Der heutige Zwischenbericht des UN-Klimasekretariats ist Alarmstufe Rot für unseren Planeten.“

Das grosse Ziel des Klimaabkommens besteht darin, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf unter 2 Grad Celsius, bestenfalls auf 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen. Welche Bestrebungen das konkret für jeden einzelnen Vertragsstaat bedeutet, wurde jedoch nicht festgeschrieben. Die jeweiligen Landesregierungen können völlig frei darüber entscheiden, welche Massnahmen ergriffen werden sollen während beim Klimaabkommen lediglich darauf geblickt wird, dass diese nach wenigen Jahren weiter angezogen werden.

Weniger als die Hälfte der Staaten haben Pläne eingereicht

Der nun veröffentlichte Report basiert ausschliesslich auf den Klimaplänen von 75 Ländern, die anderen fehlen. Bedenkt man, dass 197 Länder dem Abkommen mittlerweile beigetreten sind, war weit weniger als die Hälfte der Staaten im Stande, Ziele bis zur Deadline einzureichen. Weiter heisst es, dass diejenigen, die ihre Dokumente zugesandt haben, nur für 30 Prozent der globalen Treibhausemissionen verantwortlich sind.

Unter den Ländern, die die Frist verstreichen liessen, befinden sich beispielsweise die USA sowie China, die für den grössten CO2-Ausstoss verantwortlich sind. Hier werden die Pläne innerhalb der kommenden Wochen erwartet. Der neue US-Präsident Joe Biden soll den 22. April als Datum für die Einreichung der Klimapläne angekündigt haben. Es gilt allerdings zu beachten, dass es überhaupt eine der ersten Amtshandlungen des amerikanischen Staatsoberhauptes war, in das Pariser Klimaabkommen zurückzukehren, nachdem Donald Trump während seiner Amtszeit mit den USA ausgetreten war. Alleine dieser Schritt ist bereits positiv zu vermerken.

Minimal weniger CO2-Ausstoss bis 2030?

Die Berechnungen der UN, die auf den aktuell verfügbaren Daten basieren, sind frustrierend und erschütternd. Hiernach würde der CO2-Ausstoss bis 2030 lediglich um ein Prozent im Vergleich zu 2010 verringert werden. Um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können, wären jedoch 45 Prozent nötig, für 2 Grad, das Minimalziel, wären es immerhin 25 Prozent.

Wichtig ist jedoch, dass neue Berechnungen erstellt werden sobald alle noch ausstehenden Länder ihre Pläne nachgereicht haben. Insbesondere die Ambitionen der grössten Klimasünder sind dabei signifikant für die Neuberechnung. UN-Klimachefin Espinosa betonte folgerichtig, dass es sich beim aktuellen Report um eine „Momentaufnahme, nicht das ganze Bild“ handle. Vervollständigt wird dies erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Einige Länder mit ambitionierten Zielen

Auch die Ziele einiger Staaten geben Grund zur Hoffnung. Zu diesen zählen die Länder der Europäischen Union, Norwegen, die Ukraine, Grossbritannien, Kenia, Chile und Argentinien. Bleibt abzuwarten, ob sich noch andere Länder an sie anreihen oder, ob diese einen weniger ambitionierten Kurs einschlagen.

Japan, Südkorea, Russland, Neuseeland und Australien haben beispielsweise ihre Ziele aus dem Jahr 2015 nicht erhöht, Brasilien bietet sogar weniger als vorher an. Können diese Nachlässigkeiten langfristig ausgeglichen werden? Gerade Brasilien mit seinen grossen Amazonasgebieten sollte mehr machen, um diese Naturflächen zu schützen – sorgt jedoch seit Langem nur mit dem Gegenteil für weltweite Schlagzeilen. Inwieweit China sich dazu bereit erklärt, dem Klimaschutz eine grosse Rolle in den Planungen zuzusprechen, ist offen. Glaubt man den Wahlkampfversprechen Bidens, so haben die USA Grosses vor und sind endlich dazu bereit, ihren Teil beizutragen.